Buch: Kritik zu: Erzbischof Reinhard Marx (München), Das Kapital.

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Die globale soziale Marktwirtschaft ist eine gefährliche Fiktion

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Wie zu erwarten, lehnen Sie (Erzbischof Reinhard Marx, München,  d. Red.) mit Recht dessen Theorien (von Karl Marx, d. Red.)  schon in der Einleitung ab, aber dann loben Sie überraschenderweise schon im zweiten Kapitel den anderen Materialisten ganz unumwunden, nämlich Adam Smith, den Angestellten der imperialen Ost-Indien-Gesellschaft, der die Gier des Individuums zum wesentlichen Inhalt seiner Freihandelslehre machte. Natürlich sei diese Auffassung moralisch ein wenig bedenklich, schreiben Sie, und sie gehe auch bisweilen gegen die Interessen des Gemeinwohls. Jeder könne sehen, wie sich gegenwärtig die Armut selbst in Deutschland ausbreite und die allgemeine Gier ganz ungeniert in den Vordergrund rücke. Trotzdem bezeichnen Sie Adam Smith als den großen Ahnherren des Wirtschaftsliberalismus, dem wir den Wohlstand zu verdanken hätten. Schließlich habe man mit ein paar sozial wirksamen Korrekturen, wozu auch die katholische Soziallehre entsprechend beigetragen habe, alles ganz gut in den Griff bekommen. Sie behaupten also, daß man die Freihandelslehre des Adam Smith nur ein wenig habe korrigieren müssen und so die soziale Marktwirtschaft entstanden sei, die den Wohlstand für alle brachte.

Folgerichtig kommen Sie am Ende des Buches zu dem Schluß, daß man jetzt den Erfolgsspuren dieses Tricks nur beharrlich folgen müsse, und fordern im letzten Kapitel ausdrücklich die Schaffung einer „globalen sozialen Markwirtschaft“. Die Globalisierung bedeute globale Solidarität, globale Gerechtigkeit, sie entspreche dem Gedanken einer Menschheitsfamilie, den die Kirche in ihrer Eigenschaft als „global player“ stark machen wolle.

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Welch verheerender Irrtum !!

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Hätten Sie Friedrich List gekannt, hätten Sie schon im Titel Ihres Buches einen Kontrapunkt zu Marx gesetzt und die Überschrift Das geistige Kapital gewählt. In Lists Hauptwerk heißt es:

„Bezeichnet man nur die körperliche Arbeit als Ursache des Reichtums, wie läßt sich dann erklären, warum die neueren Nationen ohne Vergleichung reicher, bevölkerter, mächtiger und glücklicher sind als die Nationen des Altertums? … Der jetzige Zustand der Nationen ist eine Folge der Anhäufung aller Entdeckungen, Erfindungen, Verbesserungen, Vervollkommnungen und Anstrengungen aller Generationen, die vor uns gelebt haben; sie bilden das geistige Kapital der lebenden Menschheit, und jede Nation ist nur produktiv in dem Verhältnis, in welchem sie diese Errungenschaft früherer Generationen in sich aufzunehmen und sie durch eigene Erwerbungen zu vermehren gewußt hat…“

Für List hing alles davon ab, ob Wissenschaft und Künste blühen, ob die öffentlichen Institutionen und Gesetze Religiosität, Moralität und Intelligenz, Sicherheit der Person und des Eigentums, Freiheit und Recht produzieren und auch  Handel, Landwirtschaft und Manufakturen gleichzeitig aufblühen.

Das, hochwürdigster Erzbischof, war keine bloße Theorie, sondern das wurde zum Erfolgsmodell in den Vereinigten Staaten von Amerika, auch in verschiedenen anderen Ländern und besonders in Deutschland. Letztlich hat die soziale Marktwirtschaft, so strapaziert der arme Begriff auch ist, ihre Wurzeln hier, und auch die Errungenschaften, zu denen von Ketteler beigetragen hat.

Dieses Prinzip galt als das Modell des Amerikanischen Systems im Unterschied zum imperialen Freihandelsprinzip.

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Im Jahr 1876 veröffentlichte der Merkur Briefe von Henry C. Carey an die Times, welche die Überschrift trugen: „Verkehr, Christentum und Zivilisation gegen britischen Freihandel“. Darin beschreibt er sehr detailliert, welche Staaten mit großem Nutzen der Schutzpolitik folgten, und welche unter der Freihandelspolitik litten.

Als Reichskommissar Reuleaux 1876 bei der Weltausstellung in Philadelphia den gewaltigen Unterschied zwischen den amerikanischen und den deutschen Ausstellungsstücken beobachten konnte, wurde auf Betreiben von Bismarcks auch in Deutschland eine Schutzpolitik gegen den Freihandel eingeführt.

Karl Marx, dem die Schriften von List und Carey durchaus bekannt waren, lehnte das Amerikanische System ab,  entschied sich für den Klassenkampf und machte sich auf diese Weise sehr interessant, um als scheinbarer Gegensatz zu Adam Smith benutzt zu werden.

Wie viele Wirtschaftsschulen haben seither vor dem Gespenst des Kommunismus gewarnt, und dabei gleichzeitig ihre eigenen imperialen Rezepte angepriesen?

Ich hoffe sehr, daß Sie ein Freund der Wahrheit sind und noch heute anfangen, Friedrich List zu lesen. Dann werden Sie verstehen, daß eine globale soziale Marktwirtschaft eine gefährliche Fiktion ist.

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Zu Ihrer Kenntnisnahme. Wir können die hier geäusserten Thesen, Nachrichten, Informationen, Behauptungen selber natürlich nicht vollständig beurteilen. Trotzdem meinen wir man muss sie kennen.
Bilden Sie sich aber bitte selbst Ihre Meinung, Ihr Urteil ! “Drum prüfe …”

(Markierungen in Fett- und/oder Kursivschrift – wie immer – durch die Redaktion)

Anmerkung der Redaktion:
In der ausführlichen, ja riesigen Literatursammlung am Ende des Buches von Erzbischof Marx sind alle Geister des „Amerik. Systems der politischen Ökonomie“ (wie u.a. Kardinal Nikolaus Kusanus (15. Jh.), Leibniz, Franklin, Hamilton, Carey, List, Lincoln, …) kaum, teilweise g a r   n i c h t  vertreten
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