SWR2 Wissen: Volker Demuth, Gas geben! – Leben im sozialen Tempodrom

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„Live fast“ – dieses Motto der ersten Pop-Generation ist heute für viele zu einer Angstformel geworden. Schnell, schnell überall: Fastfood und Quickie, Blitzreden im Talk und politische Schnellschüsse, Eventkultur und mediale Häppchen. Konsumhektik, Erlebnisstress, Zeitdruck, Terminnot sind zu kollektiven Erfahrungen geworden. Tempomacherei, Verdichtung von Ereignissen und der Kult des Kurzfristigen strukturieren Alltag und Beruf. In der totalen Mobilmachung werden Leben oft wie Termingeschäfte geführt. Geschwindigkeit bestimmt im Kern die Erfahrungswelt heutiger Existenz. Wann sind die Grenzen dieser rasanten Lebenswelt erreicht; wie lässt sich ihr möglicherweise entgegensteuern?

…‘

Zitat aus dem Vortrag:

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Wilhelm Höck:
Wenn ich also mir nur sag, das ist mein Alter, hab ich sehr wenig davon. Das heißt, ein Umstellen aufs langsamer Werden, auch auf langsame Betätigungen, ist sinnvoll, und wir lernen es leider zu spät, diese Umstellung einzuleiten. Das heißt, wir müssten sie eigentlich in der Schule lernen. Es wäre sogar eine Schule des Langsamer-, des Bedächtiger- und des Aufmerksamer-Werdens. Wenn man von der Schule an lernt, langsamer zu sein und am Ende sogar noch effizienter zu werden dadurch.

Sprecher:
Das bedeutet: Raus aus dem eindimensionalen Uhrzeiger-Sinn des Alltags. Raus aus der rastlosen Geschäftigkeit und ununterbrochenen Erreichbarkeit, zwischen Coffee-to-go, Instant-Suppe und Schnellmenü. Denn der zeitliche Lebensstil eines Lebens auf Hochtouren erweist sich als weitaus zu wenig komplex, um den Erfordernissen unserer Lebenswirklichkeit gerecht zu werden.

Also: Zitator:
Was ist denn so schmerzhaft daran, in ein Bewusstsein einzutauchen, in dem persönliche Beziehungen Vorrang vor Leistung haben, in dem Ereignisse ihren natürlichen, spontanen Lauf nehmen dürfen, in dem man der Zeit Zeit lässt?

Sprecher:
Dass wir eine neue Kultur der Zeit brauchen, dafür spricht viel. Sollten wir daher, anstatt das Martyrium des Gasgebens – Dauerstress, Hektik und Gehetztsein – weiterzutreiben, nicht endlich die Gelassenheit als Erfolgsstrategie wiederentdecken? Eine Zeit-Erfahrung, die gar so fremd der Zeit-Welt der guatemaltekischen Quiche-Indios nicht wäre?
Tiempo siempre hay?

…‘

swa

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